MEIN DUALES STUDIUM – WAR ES DIE RICHTIGE ENTSCHEIDUNG?

Vor drei Jahren stand in nach dem Abi an einer bildlichen Weggabelung. Damals habe ich mich für die Abfahrt "Duales Studium" entschieden. Ob das die richtige Entscheidung war und was ein duales Studium überhaupt bedeutet, habe ich in einem Beitrag zusammengefasst.In den letzten Wochen habt ihr es hier oft genug gehört bzw. gelesen. Ich hab mein duales Studium beendet. Ganz realisiert habe ich das eine Woche später und nur wenige Stunden nach der Graduierungsfeier allerdings noch nicht. Da mich zum Thema duales Studium aber schon die ein oder andere Frage erreicht hat, möchte ich die Gelegenheit nutzen um einige Fakten offen zu legen und ein paar persönliche Worte zu finden.

Macht euch also darauf gefasst, dass dieser Beitrag den „normalen“ Umfang eines Blogposts hier auf somekindoffashion.de sprengen wird. Das Thema duales Studium bietet aber auch einfach unfassbar viel zu berichten! Obwohl diese Art der Vorbereitung für unser Berufsleben noch gar nicht so lange besteht, ist sie doch schon sehr etabliert und viele interessieren sich dafür.

WAS HAST DU ÜBERHAUPT STUDIERT?

Eine der wohl häufigsten Fragen zu meinem Studium. Eigentlich ist es ganz einfach und zwar heißt mein Studiengang Allgemeine Verwaltung bzw. der Abschluss Bachelor of Laws. Die dazugehörige Ausbildung nennt sich Inspektoranwärter. Und da wird die Sache dann auch schon wieder kompliziert. Nein, das hat nichts mit Inspector Barneby oder anderen TV-Kriminalisten zu tun. Sondern mit der öffentlichen Verwaltung. Inspektor ist die Bezeichnung für das Amt, was man nach der Ausbildung einnehmen wird, also welche Stellung man einnimmt. Viele, und so auch ich, sind schon während der Ausbildung oder besser dem dualen Studium bei einer Gemeinde, Stadt, Kreis usw. verbeamtet. Ihr seht also, dass mein duales Studium schon von Grund auf anders ausgelegt war, als viele andere.

WIE LÄUFT SO EIN DUALES STUDIUM AB?

Ein duales Studium ist ja gewissermaßen die Nahtstelle zwischen einer klassischen Ausbildung und einem Studium. Es unterteilt sich jeweils in theoretische und praktische Lernphasen. In meinem Fall gab es die Besonderheit, dass ich blockweise meine theoretische Ausbildung an einer „privaten“ Fachhochschule hatte. Diese ist extra für den Studiengang und den der Polizisten und nicht öffentlich zugänglich wie in anderen Bereichen. Dort haben wir in Blöcken von immer 4-5 Monaten vor allem juristische Fächer, aber auch sozialwissenschaftliche, wirtschaftswissenschaftliche und methodische Fächer belegt. Das Ganze findet im Kursverband, wie eine Art Klasse, statt. Am Ende steht natürlich, wie sollte es auch anders sein, entweder eine mündliche Prüfung, eine Klausur oder eine wissenschaftliche Arbeit. Während der praktischen Phasen habe ich verschiedene Bereiche meiner Behörde kennengelernt und in Praktika immer für 3 Monate dort gearbeitet.

Ben dagegen hat den klassicheren Weg eines dualen Studiums bestritten, wenn man das überhaupt schon so sagen kann. Er hat neben seiner Ausbildung zum Mechatroniker zwei mal in der Woche Vorlesungen an einer „normalen“ öffentlichen Fachhochschule im Bereich Maschinenbau. Beides ist wie ich euch aus guter Erfahrung sagen kann kein Spaziergang. Ein riesen Vorteil, und das soll jetzt nicht blöd rüberkommen, ist, dass man vom ersten Tag an Geld verdient. Anders als bei einem reinen Studium, bei dem man vielleicht BAFöG bezieht oder einen Nebenjob hat, landet beim dualen Studium jeden Monat Gehalt auf dem Konto. Das ist natürlich nicht verachten…Vor drei Jahren stand in nach dem Abi an einer bildlichen Weggabelung. Damals habe ich mich für die Abfahrt "Duales Studium" entschieden. Ob das die richtige Entscheidung war und was ein duales Studium überhaupt bedeutet, habe ich in einem Beitrag zusammengefasst.

HAST DU ES BEREUT, DICH FÜR EIN DUALES STUDIUM ENTSCHIEDEN ZU HABEN? WAS WAREN DEINE BEWEGGRÜNDE?

Bei meinem ältesten Bruder habe ich miterlebt wie lange ein Studium dauern kann, gerade wenn man Jura studiert. Verschiedene Faktoren haben mich davor abgeschreckt den Weg eines Studiums einzuschlagen.
Manchmal kommt man im Leben an die bildliche Weggabelung. Eine der wichtigsten Entscheidungen trifft man für seine eigene, ganz persönliche Reise nach dem Abi. Beziehungsweise ich habe sie schon lange vor meinen Abschlussprüfungen getroffen. Denn natürlich muss man auch für ein duales Studium ein Einstellungsverfahren mit Tests, Gesprächen und Assessment Center durchlaufen. Und das ein ganzes Jahr im Voraus.

Bereut habe ich es seit dem ersten Tag nicht, dass ich mich damals für die Abzweigung entschieden habe, wo das Schild in Richtung Duales Studium zeigte. Natürlich kommen einem im Laufe von drei Jahren Zweifel, ob es das richtige ist, ob nicht etwas anderes mehr Spaß gemacht hätte. Aber jetzt drei Jahre, etliche Prüfungen und viele Veränderungen später bin ich immer noch glücklich mit meiner Entscheidung.

Aber wisst ihr was das Schönste an meinem dualen Studium für mich war? Ich weiß noch genau, wie ich nach dem aller ersten Tag – genau heute vor drei Jahren – nach Hause kam und zu meiner Mama sagte: „Mama, die Leute da sind endlich mal genauso wie ich“. Und das meinte ich ernst. In der Schule war das für mich nicht immer so einfach und obwohl ich manche schon seit Kindertagen kenne, haben wir heute keinerlei Kontakt mehr. Seit ich meine Ausbildung angefangen habe, habe ich wirkliche Freunde gefunden. Darüber bin ich unendlich dankbar. Und das kann man mit nichts in der Welt aufwiegen!

MEIN FAZIT: WÜRDE ICH ES WIEDER TUN?

Einfach ist ein duales Studium mit Sicherheit nicht. Gerade bei Ben sehe ich, dass es sehr viel Anstrengung kostet. Bei mir selbst waren alle Inhalte sehr aufeinander abgestimmt und auch teilweise direkt in den praktischen Phasen anwendbar. Aber obwohl es viel Schattenseiten gibt, würde ich es heute noch mal machen. In diesen drei Jahre habe ich nicht nur fachlich viel gelernt, sonder mich auch menschlich sehr viel weiterentwickelt. Viel über mich selbst gelernt und bin einen großen Schritt erwachsener geworden. Und das obwohl ich gerade einmal 21 bin 😉

1 Kommentar

  1. 2. September 2017 / 19:06

    Super interessanter Beitrag 🙂
    Ich bin gerade auch dabei mich für ein duales Studium zu bewerben und dein Beitrag hat mich in dem Wunsch nochmals bestärkt.
    Liebe Grüße,
    alina von http://alinapunkt.blogspot.de/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.